Anekdotisch Evident

Kultur und Wissenschaft durchs Prisma der Plauderei

20. April 2018
von Alexandra
Keine Kommentare

ae012 Wut

Wut ist eine Basisemotion. Über alle Kulturen hinweg spricht der Körper des Wütenden die gleiche Sprache: der Kopf läuft rot an, das Gesicht ist verzerrt, jeder Muskel angespannt. Der Zornige brüllt und schäumt wie ein wildes Tier. In grauer Vorzeit war die Demonstration von Wut wichtig, um uns gegen Feinde zu verteidigen. In der heutigen Zeit, die Gelassenheit und Selbstbeherrschung predigt, hat Wut einen besonders schlechten Ruf. Nicht ohne Grund, schließlich zeigt uns die Erfahrung, dass Wut eine zerstörerische Kraft ist, die gegen unsere Vernunft arbeitet. Allzu leichtfertig sollten wir die Wut aber nicht verabschieden, denn Wut zeigt an, was uns wichtig ist. Als Impulsgeber und Antrieb für Kunst und gesellschaftlichen Fortschritt ist sie außerdem unverzichtbar. Wir haben antike und moderne Philosophen gelesen und in unseren eigenen Abgründen gewühlt. Mögen die Ergebnisse eure Wut kanalisieren helfen und das allgemeine Erregungsniveau senken!

Weiterlesen →

12. März 2018
von Alexandra
18 Kommentare

ae011 Normalität

Regelmäßig, üblich, maßgebend, typisch, durchschnittlich, gewöhnlich, gewohnt, erwartet, universal, allgemein, konventionell, korrekt, herkömmlich: Normalität ist ein Konzept, das wir intuitiv verstehen, doch wenn wir genauer werden wollen, kommen wir ins Schwitzen. Denn was normal ist und was nicht, ist eine Frage der Interpretation, und die ist abhängig von Zeit, Ort und Kultur des Interpretierenden. Während in autoritären Systemen Normalität erwünscht und gefordert wurde und einen Überlebensvorteil darstellte, scheint unsere individualistische Gesellschaft sich stärker am Besonderen als am Allgemeinen zu orientieren. Und doch ist die Frage nach der eigenen Normalität in verschiedenen Lebensphasen von ungeheurer Brisanz.

 

In dieser Folge sprechen wir über Sinn und Unsinn von Normalitätsvorstellungen, Möglichkeiten und Grenzen psychiatrischer Diagnosen und die Zukunft des Normalen.

Weiterlesen →

31. Januar 2018
von Alexandra
28 Kommentare

ae010 Verlierer

Verlieren hat viele Bedeutungen. Wir können unseren Regenschirm verlieren, oder gleich unseren Verstand. Wir verlieren, wenn wir im Spiel unterliegen oder wenn wir an unseren eigenen Erwartungen scheitern.  Die einen verlieren auf einen Schlag ihre Heimat, während die ewigen Verlierer aus Deutschland, kollektiv erstarkt, der AfD applaudieren. Unsere kapitalistisch geprägte Welt hat wenig übrig für den Verlierer, doch in der Popkultur genießt er ikonischen Status. Denn im Gegensatz zum geradlinigen Gewinner haben seine Geschichten Tiefe und Aussicht auf eine Wendung. Nur wer fällt, hat die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Ist das Verlieren am Ende eine Kunst, deren Beherrschung die Voraussetzung für echten Erfolg ist? Wie Nelson Mandela so treffend sagte: “Ich verliere nie. Entweder ich gewinne, oder ich lerne.“ Wir spüren in dieser Folge dem Elend, aber auch dem Glanz des Verlierens nach und freuen uns auf eure Geschichten!

Weiterlesen →

4. Januar 2018
von Alexandra
21 Kommentare

ae009 Grenzen

Grenzen sind ein Ärgernis. Sie schränken unsere Bewegunsfreiheit ein und haben in der Geschichte immer wieder Menschen voneinander getrennt. Auch symbolische Grenzen, die ganz ohne Zäune und Mauern auskommen, schließen bestimmte Gruppen von gesellschaftlicher Teilhabe aus, sei es anhand von Geschlecht, Hautfarbe oder Religionszugehörigkeit. Trotzdem werden wir nie aufhören, Grenzen zu errichten, denn sie sind eine anthropologische Notwendikeit. Sie helfen uns, die Komplexität der Welt zu bewältigen, indem sie Ordnung und Übersichtlichkeit schaffen. Nur wer Phänomene sprachlich eingrenzt, kann kommunizieren. Nur wer weiß, wer er in Abgrenzung zu anderen ist, kann eine positive Identität entwickeln. Ja, Grenzen können sogar gut sein! Etwa wenn sie Andersdenkenden Freiräume im Mainstream eröffnen oder uns als psychisches Warnsystem davor bewahren, uns selbst zu schaden. In der ersten Folge des Jahres haben wir über die Ambivalenz und Bedeutungsvielfalt von Grenzen gesprochen und laden euch zum Mitdenken und Mitdiskutieren ein!

Weiterlesen →

3. Dezember 2017
von Alexandra
17 Kommentare

Jetzt NEU: Der Nachschlag

Liebe Hörerinnen und Hörer,

Wir haben gute Neuigkeiten: Ab sofort gibt es zu unseren regulären ae-Folgen einen Nachschlag auf die Ohren: eine Extra-Folge, in der wir einen Monat nach Veröffentlichung noch einmal über das Thema der letzten Sendung sprechen.

Warum?

Weil wir sichtbar machen wollen, wie wir durch unsere Gespräche lernen, und wie dieses Lernen uns und unser Leben verändert.
Wir lernen, während wir uns auf eine Folge vorbereiten und wir lernen dazu, indem wir uns über das Gelernte austauschen. Nachdem wir dann auch noch in den Dialog mit euch treten, Feedback und Anregungen bekommen, haben wir jede Menge neuer Erkenntnisse gesammelt und müssen oftmals auch Gesagtes überdenken. Fest steht: Diesen Podcast zu machen, verändert laufend unseren Blick auf die Welt. Das ist ein Prozess, den wir ganz wunderbar finden und unbedingt mit euch teilen wollen. Der Nachschlag liefert euch also noch mehr Wissensperlen, Fun Facts und persönliche Anekdoten.

Der Nachschlag ist Extra-Content und unser Dankeschön für alle, die uns bei Steady mit einem Abo unterstützen. Schon ab einem Euro (oder einem höheren Beitrag eurer Wahl) bekommt ihr einen Spezialfeed mit Dauerzugang zur zweiten Portion!

Wer noch nicht dabei ist, klickt hier: Der Nachschlag zum Thema Einsamkeit wartet schon auf euch!

Danke für alles!

Alexandra & Katrin

 
PS: Der Nachschlag ist auch abonnierbar. Dafür geht ihr in steady in die Übersicht der Projekte, die ihr unterstützt, dort findet ihr einen Podlove Subscribe Button, mit dessen Hilfe ihr den Abo-Weg eurer Wahl auswählen könnt. Schon landet jeder neue Nachschlag automatisch dort, wo ihr eure Podcasts hört 🙂

29. November 2017
von Katrin
8 Kommentare

ae008 Emanzipation

Wer kann sich nicht an das abfällige Wort “Emanze” erinnern, mit dem man in den 90ern Frauen bedachte, die sich für Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit eingesetzt haben? Schlimme Leute waren das! Haarig unter den Achseln und borstig im Umgang. Oder? – NEIN. Denn Emanzipation ist das, was uns zum Menschen macht – zumindest würde Erich Fromm das vielleicht so sehen. Sie ist ein Prozess, der schon bei den alten Griechen angedacht wurde, als der Mensch von Pythagoras zum “Maß aller Dinge” erhoben wurde. In der Renaissance, mit den Humanisten und später der Aufklärung schlug sie sich frei aus den Ketten, in denen laut Rousseau der Mensch überall lag. Was also ist Emanzipation eigentlich? Wo finden wir sie? Wo findet sie noch heute statt, welche Bedingungen braucht sie und wie geht persönliche Emanzipation? – Stoff, für viele Anekdoten und noch mehr Berichte aus Historie, Kultur und Gegenwart unseres manchmal immer noch nicht ganz so freien Menschengeschlechts.

Weiterlesen →

31. Oktober 2017
von Katrin
49 Kommentare

ae007 Einsamkeit

Es gibt wenige Zustände, die so janusköpfig sind wie die Einsamkeit: Des einen loyalster Freund, des anderen größter Feind, kann sie sowohl als beklemmend wie als befreiend erlebt werden. Sie ebnet den Weg zu höherer Erkenntnis oder verhindert die Erfüllung elementarster Bedürfnisse. Eines ist sicher: Vor Einsamkeit ist niemand gefeit. Weder ein großer Freundeskreis noch ein aktives Leben bewahren uns davor, uns hin und wieder einsam zu fühlen. Was ist der Unterschied zwischen einsam und allein? Kann Einsamkeit auch positiv erlebt werden? In dieser Folge öffnen wir die dunkelsten Kammern unserer Herzen für euch, damit ihr seht: Ihr seid nicht allein.

Intro: Barrio Lindo & Wende Wen – Mosuo (erschienen unter CC-BY NC SA-Lizenz)

Weiterlesen →

22. September 2017
von Katrin
31 Kommentare

ae006 Studieren

„Zuviel Zeit mit Studieren verwenden ist Faulheit, es nur als Schmuck zu verwenden – Affektiertheit; nur danach zu urteilen – Gelehrtenwahn.“

In diesem Zitat von Sir Francis Bacon bündeln sich aktuelle Fragen nach dem Wert von akademischer Bildung. Was ist eigentlich der Nutzen eines Studiums? Geht es darum, uns möglichst schnell „fit für den Arbeitsmarkt“ zu machen? Oder ist Bildung ein Wert für sich, der uns zu besseren Menschen macht? Schließlich sind akademische Titel immer noch Statussymbole und Studenten aus bildungsfernen Milieus erleben Ausgrenzung und Habitus-Konflikte. Wir haben beide studiert, und wie sehr wir die Universität liebten, so oft hat sie uns auch enttäuscht, irritiert und vor den Kopf gestoßen. Ein guter Grund, uns ausgiebig über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Studierens zu unterhalten.

Intro: Barrio Lindo & Wende Wen – Mosuo (erschienen unter CC-BY NC SA-Lizenz)

Weiterlesen →

22. Juli 2017
von Alexandra
13 Kommentare

ae005 Irland

Irland ist ein Land der Gegensätze: Thema von Sehnsuchtskalendern und melodramatischen Filmen, Inspiration für epische Fantasy und ein Paradies für Individualtouristen. Aber auch ein von seiner Geschichte gebeuteltes Land, das Sänger und Literaten nicht immer nur romantisch verklärt haben – oft genug haben sie schwer gelitten und das Leben in grauer Armut verflucht. In den letzten 30 Jahren hat sich Irland (nicht ohne Rückschläge) vom „armen Mann Europas“ zu einer wirtschaftlich florierenden und in Sympathie-Rankings thronenden Nation gemausert.
Wir sind beide große Irland-Fans und fragen uns in dieser Folge: Was macht eigentlich die Faszination der grünen Insel aus? Herausgekommen ist ein Gespräch über das Wetter und andere irische Klischees, über gelebte Kultur, atemberaubende Orte, liebenswürdige Menschen und ihre Geschichte(n).

 

Intro: Barrio Lindo & Wende Wen – Mosuo (erschienen unter CC-BY NC SA-Lizenz)

Weiterlesen →

26. Mai 2017
von Alexandra
15 Kommentare

ae004 Fotografie

Die Entwicklung der Fotografie von einer elitären Praxis zur Massenkultur ist erstaunlich. Bedurfte es vor 150 Jahren noch einer sperrigen und kostspieligen Apparatur, ist die Kamera heute Teil unseres Smartphones und jederzeit einsatzbereit. Doch Erinnern und Bewahren ist längst nicht mehr Hauptfunktion privater Aufnahmen. Wir dokumentieren und inszenieren unseren Alltag und nehmen am Leben Fremder teil. Ist die Bilderflut ein Fluch oder ein Segen? Wie verändert Fotografieren unsere Erfahrung? Wie viel konstruktive und zerstörerische Macht können Fotografien entwickeln? Diesen und vielen anderen Fragen widmen wir uns in unserer neuen Folge.

Intro: Barrio Lindo & Wende Wen – Mosuo (erschienen unter CC-BY NC SA-Lizenz)

Weiterlesen →