Anekdotisch Evident

Kultur und Wissenschaft durchs Prisma der Plauderei

Neid

| 9 Kommentare

Neid hat viele Gesichter, und die meisten von ihnen sind Fratzen. Egal, ob er unverhohlen geäußert wird oder als Gerechtigkeitssinn oder scharfsinnige Kritik daherkommt; der Neid fügt vor allem den Neidern Schaden zu. Oder ist er vielmehr Ausdruck von Bewunderung? Ein Ansporn, mehr aus seinem Leben zu machen?

Eine der ersten Bibelgeschichten nach Adam und Eva handelt vom Neid und endet destruktiv – im Brudermord. Neid hat aber auch eine konstruktive Seite; ohne Neid wäre der Kapitalismus nicht denkbar (dabei werden nicht nur kapitalistische Gesellschaften von Neid in Bewegung gehalten). Wir haben hingeschaut, wo’s wehtut und laden euch ein, mit uns gemeinsam über ein komplexes Gefühl nachzudenken, das viel mehr über uns, unsere Sehnsüchte und Ängste verrät, als wir glauben … 

Shownotes:

Wenn euch anekdotisch evident gefällt, dann schmeißt doch ein paar Euro in einen unserer Hüte – das hält das Angebot am Leben.

9 Kommentare

  1. Hallo Ihr,

    wie heißt der Psychologie-Podcast den Kadda in dieser Folge erwähnt hat?

    Danke für den tollen Podcast und liebe Grüße!

    Alex

  2. Mein „Fall“:
    meine beiden Brüder haben reiche Frauen geheiratet. Also reich im Sinne von Multimillionären.
    Ich nicht. Ich verdiene nicht schlecht und hab an sich alles was ich/wir brauchen. Trotzdem habe ich nicht die Möglichkeiten meiner Brüder, die jetzt mit Anfang 50 quasi bin den Ruhestand gegangen sind, sondern zahle für das Haus ab welches ich gebaut hab.
    Ich liebe meine Brüder und ich gönne ihnen dieses Leben, was wahrlich nicht im übertriebene Protz von statten geht.
    Nichtsdestotrotz fühle ich mich zurückgeblieben.
    Könnt ihr das nachvollziehen? Ist das Neid? Oder bin ich so selbstbezogen wie ihr es im Podcast angesprochen habt?

    Vielen lieben Dank für euren Podcast!!

    • Berechtigtes Gefühl, zumindest kann ich es nachvollziehen. Man vergleicht sich immer mit seinem Nächsten, und da ist die Familie natürlich besonders heikel. „Blind“ wäre dein Neid zu nennen, wenn du deinen Brüdern absprechen würdest, irgendwelche Probleme zu haben. Wenn einer zum Beispiel zu dir käme und dir beichten würde, er sei depressiv, und dein einziger Gedanke wäre: „Was hast denn DU bitte schön für einen Grund, depressiv zu sein mit deinem Haufen Geld und deinem großen Haus?“ Das ist dann blinder Neid, der verkennt, dass alle Menschen auf ihre Weise leiden und man selbst gar keinen Einblick hat, wie es in jemanden drin aussieht. Und wer weiß, was dir das selbstgebaute Haus alles an Sinnhaftigkeit und Zufriedenheit gegeben hat, das sie wiederum manchmal vielleicht in ihrem Leben vermissen? 🙂

      • Nein. Es ist völlig klar, dass die beiden trotz des Reichtums ihre ureigenen Probleme haben unter denen sie trotzdem leiden. Sie haben nur einige nicht, die jemand ohne die finanziellen Möglichkeiten hat.
        Und das ich aus eigener Kraft diesen schönen Ort „erobert“ habe ist sicher etwas, was ihnen abgeht.
        Ich kann nur nicht sagen, dass das etwas daran ändert, das ich immer wieder mal wünsche, ich könnte jetzt auch gleich genau das tun, was ich eigentlich wünsche, bzw. von den finanziellen Zwängen befreit zu werden, in denen ich aktuell stecke.
        Auch ist es manchmal schwierig mit zu gehen, wenn sie von den Reisen und Erlebnissen aus ihrem Leben erzählen, das im Vergleich zu meinem Leben gefüllt ist von Orten und besonderen Erlebnissen, die ich nur alle paar Jahre zu berichten hätte.
        Aber danke liebe Alexandra, das du es nachvollziehen kannst. 🙂

  3. Ich habe gerade den Podcast angehört, und mir ist aufgefallen, dass die Gefühle „Missgunst“ (was die hat, soll sie gefälligst nicht haben) und „Neid“ (was die hat, will ich auch haben) vermischt werden. Missgunst empfinde ich als ziemlich negativ, aber Neid an sich nicht: Es wird einem klar, wonach einem der Sinn steht, und man kann sich fragen, warum man das nicht hat, und ob man das wirklich haben will. Bei der Erwähnung von konstruktivem und destruktiven Neid klingt das zwar an, aber es trifft es leider nicht genau. Für den Nachschlag wäre es gut zu wissen, was ihr darüber denkt.

  4. Ich möchte das Thema meines geschätzten Vorkommentators Christian aufgreifen, da mich die Abgrenzung von Neid und Missgunst schon lange beschäftigt. Diese beiden Gefühle lassen sich nicht streng voneinander unterscheiden, da Missgunst immer den Neid beinhaltet. Mathematisch ausgedrückt wäre also der Neid eine Teilmenge der Missgunst. Mich würde eure Meinung dazu brennend interessieren.

    Herzliche Grüße eures treuen Hörers Joachim (55)

  5. Vielen Dank für eine weitere sehr gute Sendung!

    Ein bisschen hab ich Zweifel an eurer Erklärung dass Konkurrenzdruck unter Frauen durch das Patriarchat befördert wird. Meine anekdotische Evidenz ist da ein bisschen anders, darum möchte ich davon erzählen:

    Ich habe in meiner Karriere bisher sowohl in einem Unternehmen gearbeitet, das von eine Clique von Männern geführt wurde – als auch in einem Unternehmen gearbeitet, das von einer Clique von Frauen geführt wurde. (Mittlerweile bin ich aus beiden raus)

    Alles in allem war mein Eindruck, dass im Endeffekt der gleiche Konkurrenzdruck zwischen den „einfachen“ Angestellten existiert hat. Mir scheint das nicht so sehr ein Problem des Patriarchats – als generell ein Problem von Hierarchien, persönlichen Beziehungen und sozialer Herkunft zu sein.

    Ich hab auch nicht den Eindruck, dass alle Männer den Wettbewerb im Berufsleben als Sport betrachten. Sondern, dass es letztlich um eine ähnliche Neid-Problematik geht (z.B. Neid um unterschiedlichen sozialen Ursprung oder Neid um den persönlichen Zugang zum Chef etc.). Selbst der Umgang mit dem verbundenen Frust schien mir immer eher so eine Typ-Frage zu sein und mir nicht so sehr an Geschlechterrollen zu hängen.

    Bei Frauen wird das Thema nur (zur Zeit) durch den Feminismus und Diversity-Bestrebungen stärker thematisiert. Viele (weiße) Männer nehmen diesen Konkurrenzquatsch nur mittlerweile einfach als gegeben hin, ohne ihn zu hinterfragen, weil sie kulturell dem Ganzen Theater schon länger ausgesetzt sind. Sofern es nicht zu fundamentalen Änderungen im Arbeitsleben kommt (Stichwort: New Work), würde ich vermuten, dass Frauen in den nächsten 30-50 Jahren zu den gleichen kapitalistischen Hamsterradzombis mutieren, wie die Männer.

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