Anekdotisch Evident

Kultur und Wissenschaft durchs Prisma der Plauderei

ae007 Einsamkeit

| 34 Kommentare

Es gibt wenige Zustände, die so janusköpfig sind wie die Einsamkeit: Des einen loyalster Freund, des anderen größter Feind, kann sie sowohl als beklemmend wie als befreiend erlebt werden. Sie ebnet den Weg zu höherer Erkenntnis oder verhindert die Erfüllung elementarster Bedürfnisse. Eines ist sicher: Vor Einsamkeit ist niemand gefeit. Weder ein großer Freundeskreis noch ein aktives Leben bewahren uns davor, uns hin und wieder einsam zu fühlen. Was ist der Unterschied zwischen einsam und allein? Kann Einsamkeit auch positiv erlebt werden? In dieser Folge öffnen wir die dunkelsten Kammern unserer Herzen für euch, damit ihr seht: Ihr seid nicht allein.

Intro: Barrio Lindo & Wende Wen – Mosuo (erschienen unter CC-BY NC SA-Lizenz)


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34 Kommentare

  1. Hmm, Alexandra redet doch nur vom Alleinsein und nicht wirklich von Einsamkeit. Für mich sind es auch ganz unterschiedliche Dinge.

    Die Gesichte mit dem Paar vor ihrer Hochzeit kann doch auch total super ausgehen, weil sie lernen, dass man mehr redet sollte und nicht einfach etwas vom anderen erwarten kann. Überraschungen sind doch immer so, dass der andere sagen kann: Nö, keine Lust. Das muss man doch akzeptieren können. Keiner kann die Gedanken des Partners wirklich lesen. Man kann doch nur enttäuscht sein, wenn der andere vorher einem etwas zugesagt hat. Die Einsamkeit in der Geschichte basiert doch auf dieser Enttäuschung, die eigentlich nicht angebracht ist, weil man seine Erwartungen vorher gar nicht ausgesprochen hat.

    • hi Sanne,
      ich glaube, man muss die Geschichte vermutlich gelesen haben. so wie Yates sie – natürlich mit viel größerer Kunst und Sinn fürs Detail, als meine schnelle Zusammenfassung – geschrieben hat, ist zwischen den beiden eine Art Zweckbündnis am Entstehen, und zwar zwischen zwei Menschen, die zwischen sich einen kommunikativen Graben haben. Während die Mitbewohnerin der Braut das immer schon gesagt hat, beschreibt Yates ganz akkribisch genau DEN Moment, in dem es die Braut am eigenen Leib erlebt.
      unbedingte Lese-Empfehlung. die Kurzgeschichten sind wirklich teils so präzise Beschreibungen von Alltags-Einsamkeit; das tut bisweilen etwas weh.

      Dass Einsamkeit und Alleinesein zwei verschiedene Dinge sind, sagen wir ja. auch wenn es dann hier und dort manchmal etwas durcheinander gerät. aber Alleinesein ist eben so verpönt, weil die Leute immer sofort Einsamkeit annehmen. und wir versuchen eine Lanze für das Alleinesein zu brechen – nicht wirklich für die Einsamkeit.
      LG

  2. Zu 16personalities.com :
    Ich hab sowas mal in einem Workshop gemacht, da kam auch sowas raus, wie auf der Website, nur bin ich irgendwie unzufrieden damit. Ich kann mich damit nicht wirklich identifizieren. Das Doofe ist, dass alle anderen Typen auch nicht wirklich passen. Bin gefangen zwischen violett und blau, aber eher blau. Das N und S sind ziemlich gleich auf.
    Auch wenn ihr ja ganz andere Menschen seid, kann ich mich mit euch teilweise gut identifizieren. Liegt wohl am Alter und Geschlecht. Viel zu naheligend. 😛

  3. Also ich finde Alexandras Ausdrucksweise oft zu radikal. Ich bin eigentlich auch ein eher introvertierter Typ und hab mit Alleinsein kein Problem. Aber Menschen, die gerne Party machen oder einfach nur gern in Gesellschaft sind als krank zu bezeichnen, finde ich schon starken Tobak. Mit dem selben recht kann man Alexandras Introvertiertheit als krank bezeichnen. Auch dieses strikte ablehnen von etwas mehr Spontanität finde ich fast schon bedenklich. Es muss ja nicht sein, dass man/sie gleich alles Abwägen aufgibt, aber hin und wieder mal zwei, drei Sekunden weniger lang die Optionen abwägen sollte schon mal drin sein. Und kann auch ganz befreienden wirken oder zumindest neue Sichtweisen eröffnen.

    Just my 2c

    • Hallo Helmut,
      Ich kann mich nicht daran erinnern, gesellige Menschen als krank bezeichnet zu haben. Auf Kaddas Frage, von welchem Typ die Leute in meiner WG waren, habe ich lediglich “Leute, die Party machen” geantwortet, um auszudrücken, worin sie sich von mir unterschieden haben. Was sie für mich “schrecklich” gemacht hat, war nicht ihre Präferenz für Parties, sondern ihre Intoleranz meiner Rückzugspräferenz gegenüber, was zugegeben vielleicht nicht optimal formuliert war. Als krank hat schließlich die Mitbewohnerin MICH bezeichnet, nicht umgekehrt. Und wenn ich das kranke Verhältnis der amerikanischen Gesellschaft zu Geselligkeit thematisiere, dann hat das wenig mit der Ablehnung geselliger Menschen zu tun, sondern mit deren Pathologisierung von Rückzugsverhalten. In den USA ist es viel weniger akzeptiert, dass man mal alleine einen Spaziergang macht, um den eigenen Gedanken nachzuhängen, und daran leiden letztlich die Menschen, die auch sonst immer zurückstecken müssen: die Introvertierten. Wenn ich trotzdem noch als aggressiv und radikal rüberkomme, dann kannst du das als Ausdruck meiner Wut über die Einsamkeit lesen, die mir diverse Diskriminierungserfahrungen als bessere Alternative nahegelegt haben.

  4. Danke, danke, danke Alexandra für den Tipp zum 16 personalities Test. Ich bin da so bei dir. Es ist dermaßen auf den Punkt geschrieben. Der Hammer!
    Auch sonst war es wieder eine fantastische Folge. Und obwohl ich ein ganz anderer Typ Persönlichkeit bin finde ich mich bei euch in vielem auch selbst wieder.
    Also danke euch beiden für viele neue Erkenntnisse.

  5. Hey ihr beiden! Besten Dank für die Folge!

    Wenn Katrins Therapeutin (?) ihr vom Grübeln abgeraten hat, hat sie vielleicht den Wikipedia-Artikel dazu gelesen (https://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%BCbeln)..

    Hierin wird Grübeln beschrieben als “..eine Form des Nachdenkens, bei dem die Gedanken um mehrere Themen oder ein spezielles Problem kreisen, ohne dabei zu einer Lösung zu gelangen.”

    Für mich ist diese Definition sehr wichtig, weil ich bis dahin nicht in der Lage war diese – meine depressiven – Gedanken von den anderen zu unterscheiden. Ich lag seit meiner Jugend immer wieder nachts im Bett, konnte nicht einschlafen und habe mich verzweifelt mit Dingen beschäfigt, die ich nicht ändern konnte. Erst recht nicht in jenen Momenten.

    Ich nenne es auch “grillen” weil ich Vergangenheit und Zukunft immer wieder drehe und wende, wenn ich grübele, und bevor ich erschöpft einschlafe schließlich nie etwas richtig gemacht habe und ganz sicher auch alles ganz schlimm wird.

    Heute übe ich mich in Früherkennung; stehe auf, esse Chips oder Zucker und lenke mich mich seichtem auf YouTube ab.. 🙂

    • Hallo Thomas,
      Danke für deinen wertvollen Kommentar! Und: da sagst du natürlich was. “Grübeln” wird umgangssprachlich oft synonym mit “nachdenken, reflektieren” benutzt, dabei hat es absolut nichts erhabebendes, wenn man nachts in der Grübelschleife hängt. 🙁 Übrigens mit ein Grund, warum ausschweifendes geselliges Beisammensein mir selten gut tut: weil ich danach stundenlang darüber “nachdenken” muss was da jetzt auf geistiger, emotionaler und metamäßiger Ebene alles abgelaufen ist! Aber das führt nie zu irgendeiner tollen Erkenntnis, es fühlt sich eher so an, als würde jemand mit einem Staubsaugerrohr einen Müllcontainer umrühren und es kommen die immergleichen Papierfetzen und leeren Dosen an deinen Kopf geflogen. 🙁
      Ablenkung ist eine exzellente Idee (aber warum isst du Zucker? Das putscht doch noch mehr auf?). Was ich auch hilfreich finde: Computer aufklappen und alles aufschreiben was man so denkt und empfindet. Dann checkt der Kopf, dass alles “im Kasten” ist und auch gerne 2-3 Tage dort warten kann, bis es verarbeitet wird. 🙂

      • mir hat die therapeutin am Ende auch tatsächlich ein wenig damit geholfen, weil die Erkenntnis, dass Gedankenkreisen ab irgendeinem Punkt nichts bringt, wie du es ja auch richtig schreibst, stand schon da. Nur: Man kann das Grübeln halt so schlecht abstellen und was sie mir versucht hat zu suggerieren – und was ich auch nicht annehmen wollte – war: Die Dinge, die ich das Wälze sind nicht so wichtig, wie ich denke. Aber damit konnte ich mich absolut nicht abfinden! 😀
        daraufhin habe ich, genau wie Alexandra schreibt, angefangen, alles aufzuschreiben, was mich umtreibt. Neben meinem Bett liegt seit dem immer ein extra Bett-Notizbuch für genau solche Fälle. Erst, wenn ich alles aufgeschrieben habe und SICHER bin, dass es nicht verloren geht, dass alle meine Gedanken jederzeit wieder aufgenommen werden können und ich das Problem dann zu lösen versuchen kann, erst dann kann ich das Grübeln wirklich aufhören.
        Einfach nur Ablenkung würde bei mir rein gar nichts bringen, mein Kopf ist sehr stur, im weitergrübeln – würde ich dann was seichtes auf Netflix anmachen oder so, würde ich gar nicht wirklich hingucken, sondern einfach weitergrübeln – alles schon probiert 😀

        insofern: Auch da ist wahrscheinlich jede_r anders und wir brauchen unterschiedliche Dinge, um uns wirklich selbst helfen zu können. Dank Alexandra habe ich jetzt den Survival Guide für INFPs und HOLLA DIE WALDFEE – da ist wirklich noch einmal so viel Nützliches drin, weil es genau auf meine Meise zugeschnitten ist 😉

        Liebe Grüße
        Katrin

        • Danke für eure Antwort!

          Die Niederschreib-Methode die ich beschreibt kenne ich unter Morgenseiten; gleich morgens nach dem Aufwachen eine halbe Stunde/2-3 DIN-A4-Seiten alles aus dem Kopf schreiben.. Hatte das mal zwei Wochen durchgehalten, aber nehme mir leider nicht mehr die Zeit dazu. Der schönste Effekt dabei war, dass ich innerhalb der Seiten meistens auch meine Träume gleich mit festgehalten hatte. (Träumen; übrigens ein hervorragendes Thema für euer hervorragendes Format!)

          Zum Grübeln: Das ist sicher die große Schwierigkeit; konstruktive von destruktiven Gedanken unterscheiden lernen. Ich hab mich nur entschlossen, dass, wenn ich doch offenbar entschieden habe, dass ich schlafen möchte – sonst läge ich nicht allein im Bett – nicht die Zeit ist mir um Sachen Gedanken zu machen. Nicht ob ich den Bekannten heute abend mit meinem Scherz verletzt habe und nicht ob ich mich bei der ehemaligen Freundin vor neun Jahren nicht noch mal hätte melden sollen.. Wenns nicht wichig genug ist aufzustehen und mich drum zu kümmern, versuch ich zu schlafen. Ironischerweise kann nämlich gerade Schlafmangel dazu führen, dass ich am nächsten Tag von meinen Gedanken überfordert werde..

          • Die “morning pages” sind die beste Erfindung überhaupt. Ich mache das jetzt seit sage und schreibe 16 Jahren und würde es als mein Hauptfortbewegungsmittel bezeichnen. Im Laufe der Zeit habe ich mich aber gelöst von den Regeln, die Julia Cameron (die diese Methode populär gemacht hat) aufgestellt hat: z.B. dass man mit der Hand schreiben müsse, dass es 2-3 Seiten sind oder dass man es wirklich JEDEN TAG machen muss. Ich tippe morgens, mittags und abends, wann es gerade not tut, wenn ich mich kurzfristig in einer Gefühlsverwirrung finde oder wenn ich mich nicht aufraffen kann, etwas zu machen. Es wirkt echt Wunder. Angenommen ich hab keine Lust eine Mail an XY zu schreiben, mach ich mein Dokument auf und tippe: “Ich hab so dermaßen keinen Bock XY zu schreiben, wann soll ich das denn bitteschön machen? Ich könnte es jetzt machen…” und SCHON bin ich mittendrin und schreibe die verdammte Mail! 😀 Man kann sich in diesem Rahmen auch von allen möglichen Reinsteigerungen befreien, in die man gerät… Stichwort pessimistischer Strudel. Einfach aufschreiben und sich dann Stück für Stück rausschreiben.
            Was ich sagen will: Nutz die Seiten doch so frei, wie du möchtest. Sie sind ein total hilfreiches Tool, auch wenn man es nicht schafft, sie zu seinem festen Morgenritual zu machen! 🙂
            Und ja: “Träumen” finde ich auch ein tolles Thema! :))))

  6. Vielen Dank für diese tolle Folge. Mir blubberten konstant Herzchen aus den Ohren. Danke auch für den Link zu den 16 Personalities, den Test habe ich schon mal mit Harry-Potter-Bezug gemacht (da waren die Charaktere irgendwie den Typen zugeordnet worden) und ich war wie Remus Lupin. Das ist toll, wenn Remus Lupin ein Lieblingscharakter ist, sorgte aber dafür, dass ich direkt wieder vergessen habe, wie die Buchstabenkombi war. Jetzt weiß ich wieder, dass ich wie Kadda ein INFP bin und fühlte mich von der Beschreibung auch wieder sehr deutlich verstanden (und stellenweise auch ein bisschen ertappt).

    Entsetzt hat mich Alexandras Beschreibung dieses Feriencamps. Das klingt für mich wie die absolute Hölle auf Erden. Ich kann so gut verstehen, dass du in den Wald gerannt bist!

    Liebe Grüße
    Sabrina

    • Liebe Sabrina, wenn mir das nächste Mal wieder alles sinnlos erscheint, stelle ich mir vor, wie dir Herzchen aus den Ohren blubbern! :°)) (Danke für das schöne Bild!)

      Und ja, das Camp war der blanke Horror. Dabei hab ich noch gar nicht von den Cheers erzählt, die wir 3x täglich mit Drill Instructor Spirit skandieren mussten! Allerdings fürchte ich, dass solche mehrwöchigen Ferienfreizeiten generell schlimm sind für Menschen wie uns, die ihre Rückzugsmöglichkeiten brauchen. Ich fand’s schon als Teilnehmerin grausam, hätte aber nie gedacht, dass ich als Betreuerin noch weniger zu lachen haben würde. Es ist echt ein erniedrigendes Gefühl, im Camp für Problemkinder als erwachsene Führungsperson selbst das größte Problemkind zu sein! 😀

      • Huargh, hättest du das erzählt, hätte ich vermutlich vor lauter Entsetzen pausieren und mir zur Beruhigung Katzenbaby-Videos anschauen müssen.

        Dass das Gefühl erniedrigend war, kann ich mir lebhaft vorstellen, aber zumindest in meinen Augen warst nicht du das Problem(kind), sondern das Drumrum. 😀

  7. Danke für diese wunderbare Folge. Vielleicht die beste bis jetzt <3

    Ich hatte sehr viel Mitleid, als du vom Feriencamp erzählt hast, Alexandra. Ich kenne das Problem gut, hatte aber das Glück, dass bei den Ferienlagern, bei denen ich "Gruppenleiter" war, Reflexion und Rückzugmöglichkeiten sehr wohl von den Leitern und vom ganzen Team als sehr wichtig erachtet wurden. Das ist eben der Unterschied, wenn bei sowas pädagogisch vernünftig geschultes Personal dabei ist (Musstest du eigentlich irgendeine Referenz vorweisen? Ich kenne das so, dass man einen Gruppenleiterkurs besucht, bevor man auf die Kinder losgelassen wird).
    Und tatsächlich könnte ich mir nicht vorstellen, wie man das aushalten sollte, ohne mal wirklich ruhige Momente zu haben. Und dabei bin ich sogar eher extrovertiert, brauche aber zum Ausgleich immer eine gehörige Portion Alleinsein.

    Beunruhigend finde ich angesichts eurer treffenden Überlegungen, dass heute die Kinder in Schulen immer mehr lernen, dass immer was zu tun sein muss. Der ganze Alltag wird durch Nachmittagsunterricht immer mehr durchprogrammiert. Immer mehr Schüler werden zur Nachhilfe geschickt, um von einer drei auf eine zwei auf dem Zeugnis zu kommen, anstatt Zeit dafür zu bekommen, sich selbst zu entdecken, auf eigene Faust Lebenserfahrung zu sammeln.
    Und in der Uni geht das gleich weiter: die Studiengänge werden verschulter, drängen auf immer schnellere Abschlüsse, lassen für Seminararbeiten nur ein paar Wochen Zeit – keine Chance sich in Regelstudienzeit wirklich breit und tief ins Fach einzuarbeiten und über Regelstudienzeit hinaus zu studieren wird immer schwieriger. Sogar mein Fach der Theologie wird derzeit von der allgemeinen "Effizienz"-Keule erfasst, nur wird es den Kirchen und der Gesellschaft nichts nutzen, wenn sie dann lauter Theologen vor der Nase haben, die zwar vielleicht gute Examensnoten haben, aber nie die Zeit hatten, ein wissenschaftliches Buch mal richtig durchzuarbeiten.

    Erzogen werden lauter Leute, die nichts mit sich selbst anzufangen wissen und deshalb vorgegebene Struktur und viel Geselligkeit brauchen – und die, die das nicht aushalten oder wollen und sich trotzdem einen anderen Weg suchen, sind umsomehr Außenseiter… juché

    • Hallo, njorg!
      Es beruhigt mich ungemein, zu lesen, dass es auch Ferienfreizeiten gibt, auf denen Möglichkeiten zum Alleinsein und zur Reflexion eingeräumt werden. Halte ich aber für eine relativ neue Entwicklung. In den USA gibt es mittlerweile auch “Introvert Camps” und “Nerd Camps”, in denen auch stille Kinder bzw. Kinder mit einem Interesse an Computern glücklich werden. 🙂
      Ich hab damals meinen “day-off” genutzt, um in die Bücherei des nächstgelegenen Küstenstädtchens zu fahren und mich dort in Kinderpsychologie zu bilden und mit Bastelideen für die “arts&crafts”-Aktivitäten einzudecken. Diese Kombination aus eigener Reflexion und selbst erworbenem Wissen hat dazu geführt, dass ich in meinem Job als Kunstbetreuerin dann richtig gut war – ganz im Gegensatz zum 24/7-Betreuerjob, der ein absolutes Desaster war. Es brauchte also nur ein bisschen mehr Ruhe, um aus einem Komplettversager eine wertvolle Arbeitskraft zu machen. Das haben meine extrovertierten Chefs auch gecheckt.
      Ein Training hatten wir vorher zwar, aber da ging es eher darum, was das für Kinder sind, welche speziellen Probleme sie haben und wie man damit umgeht. Abends gab es dann immer Team-Meeting. Ich HASSE Team-Meetings. Von einer Stunde Ruhe hätte ich weit mehr profitiert als von dem dummen Gelaber.

      Was du über die Schule und das Studium sagst, stimmt alles. Ich beobachte den Trend zu Ganztagsschulen auch besorgt. Mich hätte das damals umgebracht! Der Philosoph Odo Marquard sagt in seinem “Plädoyer für die Einsamkeitsfähigkeit” dass das Problem unserer Zeit nicht die Einsamkeit ist, sondern die wachsende Unfähigkeit, mit sich selbst allein zu sein. Umso wichtiger, dass wir mit dem Thema EINSAMKEIT *und* Alleinsein endlich DIFFERENZIERT umgehen!

      • Ich würde nicht sagen, dass das eine neue Entwicklung ist – soweit ich mich erinnern kann war das schon in meiner Kindheit so und dann auch später als ich das erste Mal Gruppenleiter war. Aber das war auch nicht in den USA, sondern in Deutschland und das Camp war auch von den Jugendlichen Teamern selbst konzeptionell mit vorbereitet und gestaltet. Und besonders wichtig: es gab nicht durchgehend Programm und demzufolge immer wieder Zeitfenster, in denen nicht immer alle gebraucht wurden, weil die Kids sich dann auch alleine beschäftigt haben.

        Ich meinte weniger ein speziell auf das Camp bezogenes Training, sondern einen richtigen Kurs. Die werden hierzulande oft als Jugendleitercard-Kurse, die ungefähr eine Woche dauern, angeboten, wo man richtig was über Gruppendynamik, das eigene Selbstverständnis als Betreuer/Leiter, über die rechtlichen Rahmenbedingungen und über Kommunikation (Sachohr, Beziehungsohr usw.) lernt.

        Und ja, Teammeetings sind oft schrecklich. Die gab es bei uns zum Glück nur zweimal in der Woche. Viel nützlicher war es, dass die Chefs angeboten haben, im Zwiegespräch die eigenen Erlebnisse und Fragen auszuwerten.

  8. Ich möchte mich nochmal ausdrücklich bei Alexandra bedanken. Deine Ausführungen zu Introvertiertheit in diesem und auch schon in anderen Podcasts haben mir sehr geholfen, meine Frau besser zu verstehen bzw. auch besser für sie einzustehen. Ich kann ihre Art, nicht so gern viele Gäste zu haben, sich nicht so gern mit vielen neuen Leuten zu treffen, zwar schon länger ziemlich gut akzeptieren auch wenn ich ganz gegenteilig gestrickt bin und das natürlich Konflikte birgt.

    Aber immer wieder treffe ich auf ein gewisses herabblickendes Unverständnis in meinem Umfeld und in meiner Familie, so nach dem Motto “die ist halt in ihrer Persönlichkeit nicht so weit entwickelt wie wir” (ohne dass das gesagt, oder auch nur bewusst gedacht wird, aber es ist ein Gefühl, das manchmal mitschwingt). Das hat mich natürlich immer wieder grübeln lassen: Haben die anderen recht? Muss ich meiner Frau mehr zumuten? Muss ich versuchen, mit ihr an dem Problem zu arbeiten? Passen wir überhaupt richtig zusammen?

    Durch deine Einblicke kann ich diese Fragen jetzt viel selbstsicherer verneinen und auch meinem Umfeld mit mehr Klarheit verdeutlichen, dass sie das halt akzeptieren müssen und nicht einfach ihre Art zu leben, auf andere übertragen können.

    PS:
    Und natürlich hast du auch Recht, dass introvertierte Menschen einen wichtigen Beitrag zum Funktionieren der Gesellschaft beitragen. Jede/r Extrovertierte sollte allen Introvertierten dankbar sein, dass die Introvertierten ihm/ihr so viel Platz lassen, die eigene Extrovertiertheit auszuleben.

  9. Ich muss Helmut hier zustimmen: Alexandras Ausdrucksweise ist teilweise wirklich problematisch (und ja, “kranke Menschen” war genau die Ausdrucksweise in Verbindung mit extravertierten Leuten, die gerne ‘Party machen’ etc.).
    Es wirkt oft, als fühle sie sich ihren Mitmenschen gegenüber überlegen und besser als diese (ein Grund für die Ablehnung, von der Alexandra berichtet?).
    Schade finde ich auch, dass Alexandra überwiegend über Alleinsein redet und kaum über Einsamkeit
    Die Teile des Podcasts, die sich nicht auf eure privaten Erlebnisse bezogen, sondern auf (mehr oder weniger) Wissenschaftliches, fand ich sehr spannend!
    Vielen Dank auch für die Empfehlung des Persönlichkeiten-Tests (obwohl ich, seit ich Erfahrungen mit dem sog. Enneagramm gemacht habe immer erstmal skeptisch bin, wenn es darum geht, qua Fragebögen einen Menschen in eine Kategorie einzuordnen.)
    Ein Punkt, der noch besprochen hätte werden können, ist die Einsamkeit in unseren beschleunigten Zeiten: Die Tendenz, dass Menschen Auszeiten in Schweigeklöstern nehmen, alleine durch die Tundra wandern, mit ihrer Familie Urlaub auf einer einsamen Berghütte machen etc.

    Danke für die Folge – gerne mehr!

    • Hallo Doreen,
      Ich bin mir sicher, dass du nicht einfach deinem ersten Impuls gefolgt bist beim Verfassen deines Kommentars, sondern dir – wie die meisten Hörer – schon ein paar Gedanken gemacht hast. Darum kann ich mir deinen Beitrag nur als Reaktion auf ein Missverständnis vorstellen. Hier eine Transkription meines Zitats: “Ich wurde geradezu als krank und psychisch krank beschimpft von meiner ehemaligen WG-Mitbewohnerin, und sie fand es pathologisch, dass ich mich zurückziehe, während sie ihre geselligen Abende in der WG macht. Die fand das einfach krank!” Darauf Kadda: “Was war denn der Grund dafür, dass du dich zurückgezogen hast, was waren denn da für Leute?” Ich: “Schreckliche Leute. Leute die Rammstein hören und Party machen, und ich hatte halt meine eigenen Ziele, ich hab in dieser Zeit mein Abitur nachgeholt und ich habe natürlich sehr viel gelernt und ich wollte einfach nur meine Ruhe haben und überhaupt diese Leute, die waren überhaupt nicht auf meiner Wellenlänge, das waren komplett andere Leute als ich, und für sie war es so komplett unverständlich, wie sich jemand freiwillig zurückziehen kann, wenn er doch die Möglichkeit hat, so einen schönen geselligen Abend mit allen zu verbringen.” (Ab Minute 26)

      Es ist immer eine Herausforderung, sich in jemanden hineinzuversetzen, der nicht so ist wie man selbst. Ich habe in dieser Folge sehr viel von mir preisgegeben, um auch den extrovertierten Hörern verständlich zu machen, warum man eine Präferenz fürs Alleinsein entwickelt und welche Erfahrungen (von Einsamkeit!) dazu geführt haben, dass ich immer wieder Probleme hatte, mich als “Mensch unter Menschen” zu fühlen. Dass mit all diesem Hintergrund sich immer noch Leute finden, die mir Arroganz unterstellen, finde ich nur schwer verdaulich. Aber wie gesagt, ich gehe stark davon aus, dass es sich hier um einen schlichten Verhörer handelt.

  10. Ich fand “Quiet” von Susan Cain schon allein deshalb sehr hilfreich, weil ich durch das Buch gelernt habe, dass ich (vermutlich) gar nicht introvertiert bin, sondern eher ambivertiert, also irgendwo genau zwischen den beiden Ausprägungen stehe. Dass es das natürlich auch gibt, und sich Menschen eben auf einer Skala mit vielen Graustufen befinden.

    Ich habe jetzt auch noch mal den Test auf 16 Personalities gemacht und bin angeblich ein ENFP. Tatsächlich finde ich mich nur bedingt in den Beschreibungen wieder. Einige stimmen total, bei anderen bin ich recht sicher, dass es im alltäglichen Leben etwas komplizierter ist. Lustigerweise habe ich den Test aber vor ziemlich genau einem Jahr schon mal gemacht und mir damals das Ergebnis per Mail zuschicken lassen und na ja: Das gleiche Ergebnis. Zumindest in meinen Antworten bin ich also konsistent, das ist ja auch schon mal was.

    • LOL, Anne! Ich hätte schwören können, dass du ENFP bist. Mit deinen tausend Hobbies und Interessen bist du bei mir im Gehirn als “Hansdampf in allen Gassen” gespeichert – also nur ein anderes Wort für Campaigner-Personality. Aber das ist die Außenwirkung, ich kann verstehen, dass du dich in einigen Punkten einfach nicht getroffen fühlst. Ich find’s bei dem Test auch wichtig, dass man sich die Ausprägungen genau anschaut. Man ist ja nie 100% intro oder extro (um mal eine Eigenschaft rauszugreifen), manchmal neigt man stark zur einen oder anderen Seite, manchmal ist man aber auch genau dazwischen (siehe Ambivert). Bei mir ist “thinking” zwar stärker ausgeprägt als “feeling”, aber bei 58% Thinking und 42% Feeling kann man nicht wirklich behaupten, ich sei emotional unterkühlt (dafür heul ich auch zu schnell wenn mich was berührt). Ich seh mich da auch selbst genau in der Mitte. Mit der Persönlichkeit, die alles andere mit mir gemeinsam hat bis auf die Dominanz des F gegenüber dem T kann ich mich dennoch nur bedingt identifizieren.

      • Man muss dazu auch sagen, dass ich (laut Test) 52% extrovertiert und 48% introvertiert bin, also genau das, was ich auch meine, wenn ich sage, dass ich ambivertiert bin. Ich bin gerne alleine und brauche das auch, um zur Ruhe zu kommen und mich zu erholen, aber ich bin auch sehr gerne unter Menschen und fühle mich da sehr wohl. Es kann aber da eben genauso passieren, dass ich einfach nur rumsitze und beobachte, und damit sehr zufrieden bin. Wenn ich dann zu lange keinen Menschenkontakt habe, werde ich auch nervös und merke, dass ich das durchaus brauche.

  11. Liebe Alexandra, liebe Katrin,

    welch eine Folge! Ein Fest für den Kopf und Herz. Und bleibt bei eurer klaren Ausdrucksweise, das persönlich-emotionale ist es ja, was Eure Reihe ausmacht. Dazu gehören Ecken und Kanten, lose Fäden und Abschweifungen. Danke auch für die Offenheit, mit der Ihr von Euch erzählt.

    Habs jetzt schon dreimal gehört, ein sonst bei mir eher nicht bekanntes Phänomen.

    Danke für Eure Ode an die Individualität, die Reflektion der eigenen Person und den Nonkonformismus. Ein echtes Geschenk im eher trüben norddeutschen Herbst.

  12. Alleinstehende Menschen haben mehr Angst, weil unsere Gesellschaft eben noch nicht so weit ist, dass man allein klar kommen kann und alltägliche Dinge zu einem Problem werden können. Ein einfacher Krankenhausbesuch kann zum Problem werden, wenn einem niemand frische Unterwäsche vorbei bringt. Daraus kann man eine endlose Liste generieren. Da muss man dann schon Geld haben, um sich Servicekräfte zu leisten.

    • Sehr richtig. Das kann auch für Einzelgänger zum Problem werden. Ohne Kontakte kommt man auch nur klar, bis man wieder seine Abhängigkeit von Anderen zu spüren bekommt: Krank sein, Umzug, sich Geld borgen müssen, etc. Auch auf emotionaler Ebene läuft man Gefahr, seine Abhängigkeit von anderen zu unterschätzen. Es ist wie mit dem Hunger und dem Appetit. Es gibt Menschen, die weniger Appetit haben als andere, essen müssen sie trotzdem. Dass sie den Hunger nicht spüren, weil sie nun mal keinen Appetit haben, verhindert nicht, dass sie irgendwann zusammenklappen. Eine Präferenz fürs Alleinsein birgt also die Gefahr, z.B. Ängste zu entwickeln und/oder depressiv zu werden. Und so geht Alleinsein in Einsamkeit über…

  13. Vielen Dank für die tolle Folge. Danke, dass ihr euch des Themas angenommen habt. Für mich war es lange Zeit undenkbar mit meiner Partnerin zusammenzuziehen, weil ich Angst um meinen Rückzugsort hatte. Dass es irgendwann geklappt hat liegt daran, dass meine Freundin mit mir über das Thema Rückzugsort und “Zeit für sich” gesprochen hat ohne das erstmal negativ zu werten; denn in einer Beziehung wird das Bedürfnis nach “Zeit für sich alleine” oft so interpretiert, dass das Interesse an PartnerIn nachlässt, was so nicht der Fall ist. Für mich sind diese kleinen Auszeiten existenziell.
    Vor dem Hintergrund kann ich auch jedem empfehlen einen standardisierten IQ Test zu machen (in kontrollierter Umgebung, von Psychologen ausgewertet), auch wenn man sich für durchschnittlich begabt hält. Ich musste mit 40 Lernen, dass ich hochbegabt bin (nicht nur ein wenig, sondern richtig heftig… >3 Sigma), ohne es zu wissen. Dieser Drang ständig neues zu lernen, das Grübeln, das Analysieren von Geschehenem und das Abwägen von Möglichkeiten bevor man etwas tut, der Ärger, wenn andere nicht in der Lage sind die Dinge zu sehen, die offensichtlich sind begleitet mich mein ganzes Leben. In meinem Kopf passieren so viele Dinge, die ich nicht ausdrücken kann. Ich dachte immer, dass das bei allen so ist und dass die anderen das einfach nur besser im Griff haben. Ich brauche deshalb immer einen Rückzugsort/Zeit an der ich meine Gedanken einfach mal ungebremst loslassen kann.
    Der Migrationshintergrund und die Herkunft aus dem Arbeitermilieu waren bei mir wohl so prägend, dass ich nie auch nur in Erwägung gezogen habe intelligenter als andere zu sein. Ich komme zwar gut mit Menschen klar, aber so richtig öffnen fiel mir lange schwer, vor allem weil es schwierig war jemanden zu finden, der ähnlich “tickt”.
    Diese Erkenntnis aus dem IQ Test, dass ich tatsächlich anders bin, hat mir sehr geholfen, mit mir und der Umwelt besser klar zu kommen. Ich schäme mich nicht mehr dafür, dass ich bei Parties ab und zu mal raus muss, um die Eindrücke zu ordnen; bzw. ich mache das nicht mehr heimlich. Es war für mich eine riesige Erleichterung eine mögliche Ursache für meine Andersartigkeit zu finden.

    • 16personalities update: INTP-T (auch wenn ich noch nicht weiß, was ich von dem Test halten soll). Wo war nochmal der erwähnte intp tumblr?

  14. Der Unterschied zwischen reinem Alleinsein und Einsamkeit ist natürlich interessant, und hängt ziemlich stark davon ab wo man sich so auf dieser Extrovertiert-Introvertiert-Achse befindet.

    Ich glaube, der Hauptunterschied zwischen den beiden Gruppen liegt darin, worauf man Energie aufwenden muss und woraus man Energie bezieht. Als eher introvertierter Mensch habe ich gelernt, trotzdem den ganzen Tag im Team zu arbeiten, aber ich weiß, dass ich anschließend den Abend alleine verbringen muss, um Energie zu tanken. Wichtig war dabei für mich auch umgekehrt zu verstehen, dass “die Anderen” (Extrovertierten) nicht ausschließlich stark und ich schwach bin, sondern die kostet es zB sehr viel Energie, stundenlang alleine an etwas zu arbeiten, was ja auch oft vorkommt. Die brauchen dann umgekehrt gemeinsame Mittagspausen und ein Bier zusammen nach der Arbeit, um sich davon zu erholen, nicht nur weil sie irgendwie geselliger sind.

    • Das finde ich einen extrem interessanten Gedanken! Das Extrovertierte Menschen wiederum anderen Menschen brauchen, um sich vom Alleinsein zu erholen – krass.
      danke dafür

    • Deckt sich 1:1 mit meinen Erfahrungen. Die einen gehen nach Workshops und Meetings erstmal eine halbe Stunde um den Block und genießen auch längere Pendelstrecken alleine bzw. “abgeschottet” mit dicken Kopfhörern in der Sbahn.
      Die anderen brauchen nach Arbeit “im Kämmerchen” erstmal Kontakt und nutzen die “Afterwork Infrastruktur” und nutzen auch ganz gezielt Fahrgemeinschaften als Interaktionsmöglichkeit mit anderen.

  15. Hi,
    Alleinsein und Einsamkeit sollte man differenziert aus der jeweiligen Perspektive betrachten. Geistreiche Menschen können das Alleinsein voll auskosten, Banalitäten aus dem Alltag sind keine Seelennahrung, ebenso alles mit viel Lärm. Das Gegenstück ist der Extrovertierte. Ich würde sogar behaupten dass sich Beide Antagonisten nicht ergänzen obwohl sich Gegensätze anziehen wie man so schön sagt. Dem Extrovertierten ist der Introvertierte auf Dauer langweilig. Das zeigt sich nirgendwo so gut wie im Urlaub. Beide haben völlig verschiedene Vorstellungen von Urlaub mit Erholung, zwei Wochen können da schon eine echte Herausforderung sein, so dass sich beide danach erst einmal erholen müssen. Auch im Alltag machen sich die Unterschiede spätestens beim Ausgehen bemerkbar, in kleinerer Runde Essen oder Vorglühen für den DSDS-Abend.

  16. Hallo ihr beiden – vielen, vielen Dank für diese sehr persönliche und tolle Folge ae! Ich höre sie alle, hatte aber noch nie so viele “Aha!” und “Ja genau!” Momente wie bei dieser 🙂 Mich verwundert auch immer wieder das Unverständnis anderer über meinen Drang, Dinge auch allein (und somit vermeintlich einsam) zu erleben. Z.B. die Solo-Tour mit Rucksack durch schwedische Wildnis – wenn ich davon berichte, welches Gefühl es ist, für vier oder fünf Tage keinen Menschen zu sehen (nicht mal von weitem) und welche Gednken sich dann so durch das Hirn ins Bewusstsein drängen, dann sehe ich entweder keinerlei Interesse oder totales Unverständnis im Gegenüber.

    Es gibt natürlich auch die andere Seite – seit meiner letzten Trennung liebe ich einerseits die Unabhängigkeit, die das Alleinsein mit sich bringt. Andererseits fehlt dann eben auch der eine Mensch, mit dem man sich genau über diese Erlebnisse und Gedanken austauschen kann und verstanden wird. Dann wird es in der Tat manchmal einsam und das ist kein schönes Gefühl. Ich kann also sehr gut allein in der Einsamkeit sein (ohne einsam zu sein), brauche aber dann doch wieder jemanden, der das später mit mir teilt und versteht – und den ich auch verstehen kann.

    So, wieder genug gegrübelt – vielen Dank nochmal für eure bewundernswerte Mühe, euch solch sperriger Themen so tiefgründig und doch locker-leicht anzunehmen!

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