Anekdotisch Evident

Kultur und Wissenschaft durchs Prisma der Plauderei

ae003 Garten

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Der Garten von Levens Hall um 1880. Quelle: Gemeinfrei, Link

Was ist ein Garten, wenn nicht der Ort hinterm Haus, wo im Sommer gegrillt wird und man in Ruhe ein Buch lesen kann? Hübsch anzuschauen, wenn alles blüht oder praktisch, wenn ein paar Kräuter darin wachsen.
Doch Gärten sind viel mehr als das. Sie sind kulturhistorische Dokumente, die Auskunft über die sozialen und politischen Verhältnissen ihrer Entstehungszeit geben und die Beziehungen des Menschen zur Natur beschreiben. Der ewige Kreislauf von Werden und Vergehen, die Mühen, die man auf sich nimmt, um Ordnung in das Chaos der Welt zu bringen, der Kampf der Schönheit mit der Vergänglichkeit … Nicht ohne Grund ist der Garten eine der mächtigsten Metaphern für das Menschsein.

 

Shownotes

8 Kommentare

  1. Wollte nur kurz das von euch dargestellte Bild von Schreber- bzw. Kleingärten ergänzen, weil mir das doch etwas negativ erschien.
    Ich bin als Stadtkind in Hamburg aufgewachsen und hatte das Glück, Zugang zu einem Schrebergarten im Süden Hamburgs zu haben, der seit drei Generationen von meiner Familie gepachtet wird. Meine Eltern (linksgrüne Bildungsbürger) haben immer viel Wert darauf gelegt, dass meine Geschwister und ich fast jedes Wochenende mit in den Garten kommen und bei den anfallenden Arbeiten helfen. Dabei ging es immer darum, den Lauf der Jahreszeiten besser kennen zu lernen, handwerklich zu arbeiten, mit der Natur in Kontakt zu kommen etc.
    Die Regeln der Schrebergartenvereine sind aufgrund der historischen Schreberbewegung (lebensreformerische Bewegung zur Naturerziehung von Stadtfamilien), vor allem aber wegen der wichtigen Versorgungsfunktion nach dem Krieg so streng und sehen z.B. einen Mindestanteil an Nutzpflanzen vor. Nach dem Krieg haben viele Familien in der Siedlung gelebt und entsprechende Vergünstigungen erhalten, so erklärt sich die hohe Regulation der Einrichtung.
    In den letzten Jahren konnte ich jedoch beobachten, wie die früheren, z.T. durchaus ziemlich reaktionären Pächter altersbedingt neuen Familien gewichen sind. Darunter sind auffällig viele türkische Familien aus der Stadt, was auch mit einer veränderten Nutzung der Gärten geführt hat (eher am Wochenende, mehr Grillen und Freunde einladen).
    Die Regeln wurden ohnehin nie so streng durchgesetzt, und mittlerweile wird es noch lockerer gehandhabt. Natürlich gibt es weiterhin Verpflichtungen, z.B. darf der Rasen nicht allzu sehr ins Kraut schießen, und es gibt obligatorische Gemeinschaftsarbeiten an den Gräben. Es steht aber jedem frei, wie er seinen Garten gestalten möchte.
    Ich wollte damit nur sagen, dass Schrebergärten weder Kinderunfreundlich noch eine reaktionäre Subkultur sein müssen. Die Regulation ist sicherlich sehr „Deutsch“, hat aber auch viel mit der historischen Privilegierung der Kleingartenvereine zu tun, die man nicht einfach als Kleinbürgerlich abtun sollte. Im Gegenteil geht es ja darum, eine landwirtschaftliche Nutzung zu erzwingen, die sich ja gerade von einer rein dekorativen und Status zur Schau stellenden Funktion abgrenzt.

  2. So ein schönes Thema! Vielen Dank euch beiden 🙂 Bin beim Zuhören gedanklich voll eingetaucht. Hennings Ausführungen kann ich auch voll zustimmen. Meine Freundin und ich haben kürzlich auch einen Kleingarten übernommen. Gut, es gibt einige Regeln aber die sind voll auszuhalten wenn man im Gegenzug recht günstig einen Garten mitten in der Stadt bewirtschaften darf. Mir scheint es auch so als gäbe es da grade einen deutlichen Generationenwandel.

  3. Bis Oktober kann man sich in Bonn einen persischen Garten anschauen. Als Ergänzung zur Ausstellug “Iran. Frühe Kulturen zwischen Wasser und Wüste” in der Bundeskunsthalle…

    http://www.bundeskunsthalle.de//ausstellungen/der-persische-garten.html

  4. Den Podcast hatte ich mir für den ersten nicht mehr kalten Tag aufgehoben, habe dann die Jogginghose angezogen, Ohrstöpsel rein und bin dem Giersch zu Leibe gerückt, der leider inzwischen auch meinen Garten kolonisiert. Zum Verständnis dessen, was der Giersch jeder Gärtnerin, die mit ihm konfrontiert ist, empfehle ich Jan Wagners fulminantes Giersch-Gedicht.

    Hat mir gut gefallen, besonders die Teile mit den Paradies- und Omagärten. Henning bin ich dankbar für die Richtigstellung zu den Schrebergärten. Wenn man neben einem unsolidarischen Deppen gärtnert, der Pusteblumen wunderschön findet und sich fröhlich versamen lässt (oder, Gott bewahre, dem Giersch freien Lauf lässt), darf man sich halt jahrzehntelang die Folgen seiner Nachlässigkeit herumärgern.

  5. Die Beschreibung des Schlossgartens in Schottland von Katrin kann man so haargenau auf das Muckross House and Gardens in Irland anwenden.

    Und was zu Urban-Gardening passt: Die Begrünung des Hochbunkers am Heiligengeistfeld (Hamburg) ist endlich genehmigt worden.

  6. Vielen Dank für die interessante Folge! Ich habe mich so sehr in Eurer Gartensehnsucht wiedererkannt, weil ich selbst das Glück hatte in einem riesigen Obstgarten am Waldrand aufzuwachsen. Manchmal ist es für mich bitter, dass meine Kinder hier in der Stadt nicht die gleichen Erfahrungen von Freiheit und Naturverbundenheit machen können.
    Aber beim Hören ist mir eingefallen, dass es hier in Nürnberg auch eine Gartenstadt gibt; ich werd mich mal informieren, wie es sich da so lebt… Danke für den Tip 🙂

  7. Hallo,

    ich wollte mich nur für den schönen Podcast bedanken, und auf einen Wikipedia Artikel verlinken der entfernt mit Gärten zu tun hat: https://en.wikipedia.org/wiki/The_Hunt_of_the_Unicorn (Die Einhorn Jagt)

    Zum einen spielt das ganze anscheinend in einen Garten im Mittelalter, zum anderen wird immer wieder auf diese Wandteppiche refferenziert, zumindest im englischen Sprachraum. Ich wollte es nur besonders erwähnen weil es auch im “Secret Garden” auftaucht.

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